Flow-Kommunikation Flow-Führung & - Pädagogik F L O W  AKADEMIE DR. GASSER
Z i r k u l a t i o n   v o n   V i t a l i t ä t
Forschen im Namen der Vitalität
«Mit einem dreijährigen Stipendium des Schweizerischen Nationalfonds begann 1970 meine universitäre, postdokto- rale Forscherlaufbahn. Das philosophische Forschungsziel war, die Wirkung der menschlichen Denkformen zu unter- suchen. In dieser Zeit entstanden verschiedenste Arbeiten, welche sich für die spätere Entwicklung der Flow-Praxis als grundlegend erwiesen. Themen wie: “die Weite”, “Human- technik”, “Erkenntnisformen der Negation”, “Existenzformen der Negativität” usw. Bereits 1972 befasste ich mich mit der Leere und dem Non-Tun (wu wei) des Daoismus. Damals ahnte ich nicht, wie grundlegend dies für die Flow-Praxis sein würde. Rückblickend waren diese Forschungen die frühe Basis für eine der fünf Hauptsäulen der Flow-Praxis - die Vorderlist. Nach einiger Zeit ergab sich das Bedürfnis, auch die Ursprünglichkeit und Authentizität des Bewusstseins zu untersuchen. Diese Forschungen führten nach fast zwan- zig Jahren zur ersten Habilitationsschrift mit dem Titel “Ur und Man” (Ursprünglichkeit und Anonymität). Dies war die Basis für die erste Hauptsäule der existentialen Ressour- cen. Durch ein Stipendium des Canada National Councils bekam ich 1974 die Möglichkeit in Montreal für ein Jahr zu erforschen, wie Computer für die Textanalysen genutzt werden konnten. 1985 stellt ich - während der Ausbildung zum Sophrologen - überrascht fest, dass der mir philosophisch altvertraute Begriff des Bewusstseins ein Hauptwerkzeug der Therapie darstellte. Die Bewusstheit wurde zur zweiten Säule der Flow-Praxis.  In der Sophrologie arbeiteten wir ununterbrochen mit ver- schiedensten Formen vitaler Energie, die schon im alten Indien entdeckt worden waren. Es wurde offenbar, dass sich Bewusstheit nicht von Energie trennen lässt. Zusam- men mit den anfänglichen Forschungen zu den mensch- lichen Denkformen ergab sich die nächste Säule der Flow- Praxis, diejenige der vitalen Energie. In den 90er Jahren arbeitete ich in der Therapie, in Bera- tungen und Schulungen mit diesen drei Säulen: existen- tiale Ressourcen, Bewusstheit und Energie. In der Praxis zeigte sich, dass kleinste Veränderungen in der Wortwahl oder Gestik (das Detail) über Gelingen oder Misserfolg eines Projektes entscheiden. Diese Mächtigkeit der Details hängt mit der Dynamik von Identität zusammen.
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Identität war in der westlichen Philosophie seit 2500 Jahren als Einzelfall einer allgemeinen Struktur behandelt worden. Erst in der Aufklärung wurde der Autonomie des menschli- chen Individuums eine eigenständige Bedeutung, unabhän- gig von einem allgemeinen Prinzip, zugemessen. Der Be- griff der Identität wird auch heute noch in diesem Sinne verwendet. Meine Forschungen jedoch führten mich zusam- men mit den Einflüssen der 68er Jahre und einer neuen biologischen Sicht auf Zelle und Leben (Gaja-Hypothese und die Entdeckung, dass die erste Bakterienzelle auf einen Streich entstanden ist und nicht wie davor vermutet in vielen kleinen Teilschritten) zu einer dritten Definition von Identität, der fluiden Identität. Sie bildete fortan die vierte Säule der Flow-Praxis. Jedes Detail ist fliessende Identität und kann das Ganze verändern oder durch unsere Einflussnahme moduliert werden (Flow-Navigation). Ein solches Detail ist ein Holo- gramm. Die ungeheuren Möglichkeiten, welche aus dieser Identität resultieren, zu nutzen, gehört zum Kern des flow- praktischen Repertoires. In der Forschung suchte ich nach Wegen, wie die unendlich vielen Details präzise gelenkt werden konnten. Dabei tauch- te, sozusagen aus dem Nichts, die chinesische Listkunde auf. Es zeigte sich, dass List für den Umgang mit dem De- tail und dem Zufall der geeignetste Leitfaden darstellt. Es war mir klar, dass für die Flow-Kommunikation nicht die Hinterlist von Bedeutung ist, sondern eine förderliche List- form, die ich seither Vorderlist nenne. Sie besteht aus reiner Zuvorkommenheit und bildet die fünfte und letzte Säule der Flow-Kommunikation. Die Erkenntnis aus meiner lebenslangen Arbeit mit den fünf Säulen der Flow-Praxis ist, dass theoretisches Reden über etwas schlicht nicht möglich ist. Denn mit jedem Wort beein- flussen wir die Realität. Wir modulieren die Fliesslinien und deren Dynamik. Härte und  Abstraktheit beispielsweise raubt Lebendigkeit, sanfte und ergreifende Worte wecken Lebendigkeit. Für mich war immer zentral, dass Forschung und Philoso- phieren nie nur theoretische Erkenntnisse und Bücherwis- sen beinhalten, sondern erst durch die direkte Erfahrung im Lebensalltag Sinn bekommen. Wahre Sinnhaftigkeit ist stets auch sinnlich und in der Praxis erfahrbar. Es erfüllt mich jeden Tag von Neuem mit Staunen, wie prä- zise und verlässlich wir Menschen auf den Ruf der Leben- digkeit antworten. Es macht mich auch etwas stolz, dass ich mit der systematischen Ausarbeitung der Flow-Logik und der dazugehörigen Praxis einen Beitrag leisten darf für ein neues Zeitalter der Vitalität. Dafür bin ich auch meinen Vorfahren dankbar. » Johannes Gasser